9 - Vormärz (1815-1848)

Wo?
Keine internationale Bewegung, sondern im Deutschen Bund zu verorten.

Wann?
Manche sagen: Zwischen der Julirevolution 1830 und der Märzrevolution 1848.
Die meisten sagen: Zwischen Wiener Kongress 1815 und Märzrevolution 1848.

Zum Begriff:
Diesmal ist es einfach. Der Vormärz heißt so, weil er in die Zeit vor der bürgerlich-demokratischen Märzrevolution von 1848 fällt. In dieser Zeit entwickeln sich in der Bürgerschaft Forderungen nach freiheitlichen Grundrechten, demokratischer Politik und nationaler Einigung, die dann 1848 explodieren werden. Aber die Ideen köcheln und brodeln schon im Vormärz vor sich hin.

Die Öffentlichkeit scheint politischer zu werden, die Literat*innen gehen mit und verfassen politische Texte. Sie beginnen ihre Rolle neu zu definieren, als gesellschaftliche und politische Akteure, die Widerstand anfachen und Forderungen stellen können: Forderungen nach Demokratie und freier Rede.

Und immer mehr Literaten fordern in ihren Texten Entwicklung und Veränderung. Zunehmend drängen ironische und satirische Streitschriften auf den Markt, in denen gesellschaftliche Ungleichheit kritisiert wird. Die erbärmliche Situation des Proletariats wird endlich literarisch thematisiert. Auch in Lyrik und Drama werden jetzt politische Botschaften verbreitet.

Epochentypische Werke:
Deutschland. Ein Wintermärchen von Heinrich Heine (1844).
Das Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels (1848).

 

Innerhalb des Vormärz:
Junges Deutschland

Innerhalb des Vormärz wird oft das Junge Deutschland als eigene Strömung genannt. Das Junge Deutschland besteht aus fünf Schriftstellern, die von der Bundesversammlung des deutschen Bundes im Dezember 1835 als besonders radikale Jungdeutsche identifiziert und verboten wurden: Karl Gutzkow, Heinrich Heine, Heinrich Laube, Theodor Mundt und Ludolf Wienbarg. (Manche sagen, die Gruppe bestehe eigentlich aus sechs Schriftstellern und zählen Ludwig Börne dazu. Den hätte die Bundesversammlung nur in der Aufzählung vergessen.)

Diese jungen Schriftstellern agierten nicht als Gruppe, hatten aber alle die Nase voll von Metternichs Kontrollsystem, von Zensur und Unterdrückung und der Macht des Adels. Und wollten mit ihren Texten etwas bewirken, wollten eine aufgeklärte Gesellschaft mit einer demokratischen, liberalen Politik unterstützen. Der Name „Junges Deutschland“ kommt in Texten von Heinrich Laube und Ludolf Wienbarg vor. Es scheint also durchaus ein Bewusstsein für eine eigene literarisch-politische Initiative gegeben zu haben.

Als typisches Werk wird je nach Quelle jedes Werk der fünf (oder sechs) genannt, das in der Zeit des Vormärz entstanden ist, z. B. auch Deutschland. Ein Wintermärchen von Heinrich Heine (1844), dass ich oben als exemplarisches Beispiel für den Vormärz behauptet habe.

Ob jetzt Vormärz oder Junges Deutschland oder beides: Ja, das Wintermärchen ist ein glasklar und unbestreitbar politischer Text, in dem Heine Deutschland auf allen Ebenen in Grund und Boden kritisiert, und zwar literarisch anspruchsvoll, höchst unterhaltsam und auflagenstark. Gern und viel gelesen, weil auch noch gut verständlich und nicht für eine kleine Elite geschrieben. Sondern demokratisch für alle. Der Text wird Anfang Oktober 1844 in Preußen beschlagnahmt und verboten. Im Dezember folgt ein Haftbefehl gegen den schon lange exilierten Heine. Vollstreckt werden konnte dieser Haftbefehl nicht: Heine hatte das Wintermärchen bei seinem letzten Deutschland-Besuch im Herbst 1843 entworfen. Als der Haftbefehl erlassen wird, ist er längst zurück im sicheren Paris, wo er bis zu seinem Tod bleibt.

Zurück
Zurück

10 - Biedermeier (1815-1848)

Weiter
Weiter

8 - Romantik (1795-1848)