6 - Sturm und Drang (1765-1790)
Und jetzt „Aufklärung, Unterpunkt 2: Sturm und Drang“.
Zur Datierung: Der Start wird auf 1765 festgelegt, weil in dieser Zeit Fragmente über die neuere deutsche Literatur (1767/1768) von Johann Gottfried Herder (1744-1803) erschien. Der Text wird als eine Art Startpunkt für den Sturm und Drang gesehen. Darin spricht Herder sich für eine literarische Erneuerung aus. Das Ende wird auf 1790 festgelegt, weil Goethe und Schiller sich in dieser Zeit der Weimarer Klassik zuwenden. Sie werden Klassiker und sind keine Stürmer und Dränger mehr.
Da, wo die Empfindsamkeit ergänzt, bereichert, unterstützt hat, betritt jetzt ein Revoluzzer die Bühne: Sturm und Drang. Eine junge Autorengeneration rückt an und lebt in ihren Texten vor, wie sich das Gefühl zum Verstand gesellt: am besten das große, überwältigende, rauschhafte Gefühl! Für die Jungen ist nicht mehr die reine Vernunft oder die tiefe Empfindsamkeit das Ideal, sondern das Gefühl muss am Start sein. Aber auch der Sturm und Drang ist keine bloße Gegenbewegung zur Aufklärung, er entwickelt sie weiter.
Der Bürger als Protagonist wird in den Werken der Stürmer und Dränger vom Genie abgelöst. Der Geniegedanke fördert auch Ideen von absolutem Individualismus. Mit der Individualität werden gesellschaftliche Konventionen, Autoritäten und Traditionen abgelehnt. Der moderne Künstlerbegriff entsteht.
Ein häufig genannter Vertreter: Friedrich von Schillers Die Räuber von 1781.