Ein Ire als Lehrer in New York

Frank McCourt. Tag und Nacht und auch im Sommer: Erinnerungen. Übersetzt von Rudolf Hermstein. München: Luchterhand Literaturverlag, 2006.

Das Buch habe ich vor zwei/drei Monaten gelesen und dann auf den Schreibtisch gelegt, um es hier zu besprechen. Da lag es zu lange. Und jetzt kann ich nur noch meinen Gesamteindruck wiedergeben. Sei‘s drum.

Frank McCourt ist glücklich in den USA angekommen, hat die ersten Einwandererwirren überstanden und arbeitet in New York als Lehrer. 30 Jahre lang. Das ist in gröbsten Zügen die ganze Geschichte. In feineren Zügen erzählt McCourt, wie seine Schüler ihn berührt haben, wie er sie erreicht hat und erreicht so auch das Herz der Leser:innen. Ja, das habe ich vielleicht schmalzig formuliert, aber so ist es, meine ich.

Das Buch hinterlässt nicht so einen tiefen Einschlag wie McCourts überraschender Erstling, Die Asche meiner Mutter. Den hatte 1996/1997 der große Harry Rowohlt übersetzt. Darum hatte ich das Buch überhaupt erst gekauft. Und es war großartig. Fast auf jeder Seite eine Träne und ein lautes Lachen. Dafür lese ich! Aber solche Treffer sind rar.

Das Buch bietet grundsolide McCourt-Qualität, ist unterhaltsam und berührend. Es macht Spaß, es zu lesen.

2 Stellen, die ich angestrichen habe:

  • „Ich sagte, das sei der Teil der amerikanischen Geschichte, der es mir angetan hat. Sie sagte, Planwagen, meine Fresse, geh lieber, und such dir eine Arbeit, und ich konterte mit einem Dylan-Thomas-Zitat, Arbeit ist Tod ohne Würde. Sie sagte, behalt deine Würde, aber zähl nicht auf mich. Es war nicht zu übersehen, dass diese Ehe keine nennenswerte Zukunft hatte.“ (S. 160)

  • „Es gibt ja angeblich eine Tätigkeit, die sich »sich zusammenreißen« nennt. Ich versuchte es, aber es war nichts zum Zusammenreißen da.“ (S. 229)

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Klein Erna

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